Cola ist eines der beliebtesten alkoholfreien Getränke zum Fleisch. Spritzig, erfrischend, süß: Dieser Kontrast zum derben Steak macht das Mahl perfekt. Doch wer meint, Cola und Fleisch gehören erst im Magen vereint, der hat weit gefehlt. In Brause eingelegt bekommen Rind, Geflügel und Co. einen unvergleichlichen Geschmack. Aber?

...was genau macht die Cola mit dem Fleisch?

Um das beantworten zu können, brauchen wir ein bisschen Chemie. Ganz tapfer bleiben! Die Rede ist hier von ganz normaler Cola aus dem Supermarkt, die Marke ist egal. Ihre wichtigsten Inhaltsstoffe sind an dieser Stelle die Phosphorsäure und der Zucker.

Phosphorsäure für die Konsistenz

Durch die Phosphorsäure (und auch die Kohlensäure) hat das Getränk einen pH-Wert zwischen 2,5 und 3. Ein pH-Wert von 7 gilt als neutral, je kleiner die Zahl ist, desto stärker ist die Säure. Wenn Fleisch längere Zeit in der Brause eingelegt ist, greift die Säure seine Struktur an. Es gibt zwar den Mythos, Fleisch würde sich in Cola komplett auflösen, das ist aber Quatsch. Um die Muskelfasern zu zerstören, fehlen dem Getränk nämlich Enzyme.

Was stattdessen passiert, freut jeden Grillfan: Das Fleisch wird unschlagbar mürbe. Daher wird selbst das zäheste Stück mit dieser Methode butterweich. Aber Achtung: Die richtige Dauer ist entscheidend! Eine kräftige Schweineschulter hält auch über 24 Stunden im Cola-Bad aus, eine zarte Hühnerbrust wird Ihnen nach mehr als ein paar Stunden durch den Grillrost fallen. Das gibt Sauerei.

Zucker für das gewisse Etwas

Süß-Sauer-Soße zum Hähnchen, Sweet-Chili-Soße zum Rind: Die Melange aus Fleisch und Zucker, herzhaft und süß ist ein unwiderstehliches Duo. Das macht den Colabraten so raffiniert. Das Fleisch saugt sich voll mit der Flüssigkeit – also auch mit dem Zucker. Später auf dem Grill karamellisiert er und gibt dem Fleisch eine liebliche Note. Aus diesem Grund eignet sich klassische Cola am besten dafür, Diät- oder Light-Varianten können geschmacklich einfach nicht mithalten.

Alternativen zum koffeinhaltigen Erfrischungsgetränk

Wem das mit der Cola noch zu suspekt ist, für den gibt es Alternativen. Es klappt zum Beispiel auch mit Säften: Ananas-, Kiwi- oder Orangensaft – hauptsache säurehaltig. Andere Zitronen- oder Orangen-Limos halten ebenfalls dafür her. Wenn´s schnell gehen muss oder wenn man keine Lust auf den Zucker hat, dann langt sogar eine Wasser-Backpulver-Lösung. Allerdings darf man es nicht zu lange einwirken lassen und sollte es nach 20 Minuten wieder restlos abwaschen.

Welches Fleisch macht sich gut als Colabraten?

Da die Cola wirklich jedes Teilstück butterweich kriegt, eignet sich so gut wie alles dafür. Typischerweise ist der Colabraten ein Gericht aus Rind- oder Schweinefleisch, ein Klassiker ist zum Beispiel Beef Brisket (Rinderbrust) in Cola, auch Cola Brisket oder Coke Brisket genannt. Aber auch mit Geflügel, Lamm und vielem mehr lässt sich Köstliches zaubern. Grundsätzlich gilt: Je zäher ein Stück ist, desto eher gehört es ins Cola-Bad. Was wollen Sie bei dieser Methode schließlich mit einem Kalbsfilet oder Dry Aged Entrecôte, das ohnehin schon auf der Zunge zergeht?

Hinweis: Fleisch kann die Cola vielleicht nicht zersetzen, Knochen hingegen isst sie zum Frühstück! Das in Knochen enthaltene Calcium löst sich auf, das Gebein wird brüchig und nimmt eine dunkle Farbe an. Ungesund ist das nicht, Sie sollten nur auf die Knochen aufpassen.

Colabraten: So wird er gemacht

Bei der Zubereitung gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Das Fleisch wird vor der Weiterverarbeitung im rohen Zustand über längere Zeit in Cola eingelegt. So wird es besonders mürbe und kann anschließend ganz nach Belieben vergrillt und verkocht werden.
  2. Das Fleisch wird in Cola zubereitet (zum Beispiel gekocht). Dabei wird es ebenfalls zart und nimmt den Geschmack der Brause auf, aber es kann zum Beispiel nicht auf dem Grillrost zubereitet werden.
  3. Das Fleisch wird erst gebraten/gegrillt und anschließend in Cola getaucht. So behält es weitestgehend seine Struktur und bekommt zum Schluss einen Feinschliff.

Tipp: Amerikanische BBQ-Meister machen Colabraten gern im Dutch Oven – zum Beispiel als klassisches Coke Brisket!

Rezept: Amerikanischer Colabraten trifft gutbürgerliche Küche

Für einen zarten Colabraten brauchen Sie viel Zeit und:

  • 1 kg Rinderbraten (zum Beispiel Roastbeef)
  • 3 Möhren
  • 250 ml Cola
  • 150 ml Apfelweinessig
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Sellerie
  • ½ Apfel
  • 1 Bund Petersilie
  • 1 Lorbeerblatt
  • Salz
  • Pfeffer

Waschen Sie das Fleisch mit klarem Wasser und tupfen Sie es trocken. Schneiden Sie die Möhren, die Zwiebel, den Sellerie und den Apfel in feine Würfel und zerkleinern Sie die Petersilie. Das Fleisch wird mit Salz und Pfeffer eingerieben und kommt mit allen anderen Zutaten in eine große Plastikbox. Verschließen Sie sie gut und stellen Sie sie für 24 Stunden in den Kühlschrank.

Heizen Sie am nächsten Tag den Ofen schon mal auf 180 Grad vor. Das Fleisch tauscht die Plastikbox gegen einen Bräter auf dem Herd und wird in etwas Olivenöl von allen Seiten kräftig angebraten. Anschließend kommt das Gemüse aus der Box dazu und nach und nach die übrige Flüssigkeit – die kann ruhig über das Fleisch gegossen werden. Lassen Sie das Ganze noch eine Viertelstunde köcheln und stellen Sie den Bräter dann mit einem Deckel verschlossen in den Ofen. Nach anderthalb Stunden wird das Fleisch förmlich zerfallen! Die Flüssigkeit mit etwas Speisestärke zur Soße binden und servieren. Willkommen im siebten Fleischhimmel!

Fazit zum Colabraten

Es klingt vielleicht unkonventionell, verwunderlich, womöglich sogar etwas unappetitlich – aber es schmeckt einfach unfassbar gut. Cola macht selbst aus zähem Fleisch ein zartes Gedicht und verleiht ihm eine aufregende Note. Vergessen Sie also alle Vorurteile und kochen Sie es einfach nach!