Vielfalt der Biersorten

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Biere in ihrer geschmacklichen Vielfalt dem Wein durchaus das (ausschließlich mit Hopfen, Malz und Hefe gebraute) Wasser reichen können.

Das deutsche Reinheitsgebot für Bier

Dass Bier ausschließlich mit Hopfen, Malz und Hefe gebraut werden darf, das besagt das deutsche Reinheitsgebot für Bier, das unter dem Namen ?Reinheitsgebot? seit 1918 in Bayern in Kraft ist. Reinheitsgebote sind aber unter anderem Namen ("Surrogatverbot") schon seit dem Mittelalter weit verbreitet, das erste davon wurde 1516 erlassen - damals noch ohne den Zusatz von Hefe, denn die kannte man einfach noch nicht.

Warum überhaupt ein Reinheitsgebot?

Je nachdem, wen man fragt, bestanden die Reinheitsgebote zum Schutz der Bevölkerung vor schlechtem Bier, vor ungerechten Maßen oder auch Zusätzen unterschiedlichster Art, z.B. dem Versetzen mit Bilsenkraut, Schlafmohn oder Tollkirschen, also Rauschmitteln mit deutlich anderer Wirkung als Alkohol. Es ist damit das älteste, nach wie vor gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt.

Biersorten nach dem Reinheitsgebot

Trotz der kleinen zugelassenen Anzahl von Inhaltsstoffen kann mit diesen vier Zutaten eine erstaunliche Menge unterschiedlicher Biere gebraut werden: Der deutsche Favorit, das Pils, das Lager, das Weizen, das Helle, das Export, das Schwarzbier, das Altbier, die Berliner Weiße, Starkbier: Die Liste ist lang.

Stammwürze

Zur Unterscheidung von Biersorten ist die Stammwürze oder der Stammwürzgehalt, also der Anteil der aus dem Malz und Hopfen im Wasser gelösten Stoffe, eine wichtige Messgröße: So wie Most zu Wein wird, wird Würze zu Bier, und zwar mittels Vergärung durch Hefe.

Untergäriges Bier und obergäriges Bier

Als "untergärig" wird ein Bier bezeichnet, das mit einer bestimmten Art von Hefe gebraut wurde, die nach der Gärung auf den Boden des Gefäßes absinkt – im Gegensatz zum "obergärigen" Bier, dessen Hefe auf der Oberfläche des frischen Biers schwimmt. Beispiele für untergäriges Bier sind Pils, Lager, Helles, Export und Schwarzbier, obergäriges Bier ist z.B. das Weizen, die Berliner Weiße, das Kölsch und das Alt. Das Altbier heißt auch genau deswegen Alt: Es ist nach dem vermutlich älteren Brauverfahren hergestellt, nämlich dem obergärigen.

Vollbier, Einfachbier, Schankbier, Starkbier

Es ist übrigens nicht der Alkoholgehalt, sondern der Gehalt an Stammwürze, der entscheidet, ob das Bier als "Einfachbier", "Schankbier", "Vollbier" oder "Starkbier" bezeichnet wird.

Einschränkungen durch das Reinheitsgebot

Trotz der Vielfalt deutscher Biersorten zog das Reinheitsgebot nach sich, dass viele lokale Brautraditionen und lokale Bierspezialitäten einfach ausstarben. Wer kennt schon noch das norddeutsche Würzbier mit Ingwer, Muskat, Kardamom, Orange und Zitrone? Auch für Kirschbier musste man lange Zeit nach Belgien fahren – vor dem Reinheitsgebot war auch das eine deutsche Spezialität.

Kölsch, Pils, Porter, Weizen – und 75 weitere Biersorten

Von Abteibier zu India Pale Ale, Kölsch, Pils, Porter, Weizen hin zu Knuppbier, Keut und Zwickelbier: Wikipedia führt 79 verschiedene Biersorten auf. Welche Ihnen zusagt, ist selbstverständlich geschmacksabhängig – die Geschmacksrichtungen der Biere gehen von bitter über blumig zu fruchtig oder gewürzbetont, malzig, herb und so weiter.

Sonderfall alkoholfreies Bier

Das gibt es auch, und es wird immer leckerer. Für die FAZ testeten sich der Braumeister Michael Schwab, die Sommelière Alexandra Ebeleseder und der Weinhändler Holger Schwarz durch die alkoholfreien Biere und kürten als ihren Favoriten das –blütig-vegetale– Riegele Augsburg, ein “elegantes” Bier “mit feinperliger Kohlensäure unter stabiler Krone”. Klingt gut.

Bierprobe

Um bei so vielen Sorten nicht den Überblick zu verlieren und sich ein deutliches Bild von Ihrem eigenen Geschmack machen zu können, würde ich Ihnen empfehlen, bei Gelegenheit eine Bierprobe zu machen – bestimmt werden Sie hier auch in Ihrer Gegend fündig.

Faustregel

Falls neben dem Trinken auch gegessen wird, kann als Faustregel gelten, dass der Geschmack der Biersorte dem Gericht ähneln sollte – herbes Bier passt zu herb-herzhaftem Essen, leichtere Gerichte und Nachspeisen passen gut zu hellen und zarten, weniger herben Biersorten.

Empfehlungen des Deutschen Brauer-Bundes

Natürlich können Sie sich auch an den Empfehlungen des Deutschen Brauer-Bunds orientieren: zu Braten empfohlen sind etwa Pils, dunkles Lager, Kölsch, Alt oder Malztrunk, zu Steaks dunkles Bockbier, Schwarzbier, Pils, Alt und Kölsch und zu Wild Bockbier, Schwarzbier, Alt und dunkles Weizenbier.

Bier selber Brauen: Hobbybrauen

Bier ist deutsches Nationalgetränk, und neben der Leidenschaft für´s Trinken von Bier interessiert zunehmend auch das selbst Brauen: Immer mehr Menschen versuchen sich selbst daran, ein Bier herzustellen. Selber Braumeister werden ist durchaus möglich – hier gibt s eine Einführung, außerdem werden verschiedene Sets besprochen.

Fazit

Der alte Spruch "Bier auf Wein, das lass´ sein – Wein auf Bier, das rat´ ich dir" kommt nicht davon, dass es unverträglich ist, die beiden zu mixen, sondern davon, dass früher die weniger wohlhabenden Leute Bier, und die wohlhabenden Leute Wein tranken. Der Spruch heißt also übersetzt: Besser ein gesellschaftlicher Auf- als ein Abstieg.

Und diese Bedeutung des Bieres hat sich inzwischen geändert. Das Bier ist in seiner Vielfalt eigentlich immer schon interessant gewesen, und mit den neuen Craft Bieren wird es immer interessanter. Es ist zwar nicht dabei, dem Wein als Vertreter guten Geschmacks den Rang abzulaufen, aber es hat eigentlich den gleichen Rang erreicht.

Es gilt also mehr als je: Auf Ihre Gesundheit!